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Eröffnung des „Institut chrétiens d’Orient“ (ICO) in Paris

Am 1. Oktober 2020 wurde in Paris ein neues Institut zur Wissensvermittlung über das orientalische Christentum und seines kulturellen Umfelds gegründet. Durch qualifiziertes Fachwissen sollen hier die Kenntnisse über den Christlichen Orient & Osten zu einem vielfältigen Nutzen im Sinne eines friedenstiftenden Dialogs gefördert werden.

Das neue Institut steckt sich hohe Ziele: Es versteht sich als ein Zentrum inmitten der französischen Hauptstadt Paris, in welchem durch wissenschaftliche Vorträge und Kurse, eigene Forschung sowie Veröffentlichungen ein solides Wissen über das orientalische Christentum auf akademischem Niveau vermittelt werden soll. Das ICO möchte sich zudem für die Gegenwart und die Zukunft der orientalischen Christen in ihren angestammten Ländern engagieren, indem es in einer pluralistischen Perspektive des Dialogs und stets um Frieden bemüht denjenigen Fachwissen zur Verfügung stellt, die auf vielfältige Weise insbesondere bezüglich der Länder des Nahen Ostens politische, wirtschaftliche, kulturelle, diplomatische und kirchliche Entscheidungen treffen müssen. Dabei arbeitet das ICO multidisziplinär, indem es versucht, die Fragen im Blick auf die orientalische Christenheit aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, um sie so besser zu verstehen. Es ist offen für ganz unterschiedliche Disziplinen: Theologie, Geschichte, Philosophie, Patristik, Kulturerbe, Spiritualität, Kirchenmusik, Liturgik, Ikonographie, religiöse Architektur, Geopolitik sowie ökumenischer und interreligiöser Dialog haben hier ihren Ort.

Ins Leben gerufen wurde das ICO im Juni 2020. Am 1. Oktober wurde es offiziell eröffnet. Direktor des neuen Instituts ist französisch-libanesische Philosoph und Theologe Antoine Fleyfel. Im ersten Semester finden zwei Kurse statt, und zwar „Islam und Christentum“ sowie „Christliches Denken im Libanon“. Für das zweite Semester sind „Patrologie des Christlichen Ostens“ und „Geopolitik der orientalischen Christen“ geplant. Alle diese Kurse können online belegt werden.

Das Institut ist auch Teil einer besonderen historischen Beziehung, die Frankreich mit den Ländern des Christlichen Orients verbindet, deren Wurzel bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückreicht und die sich insbesondere seit dem 16. Jahrhundert intensivierte. Direktor Antoine Fleyfel erinnert daran, dass sich diese jahrhundertealten Verbindungen nicht nur auf die Religion beziehen, sondern auch auf vielfältige humanitäre und zivilisatorische Aspekte: „Vergessen wir nicht die Anwesenheit maronitischer Gelehrter am Collège de France im 17. und 18. Jahrhundert, die sich mit der Orientkunde und der Polyglottenbibel beschäftigten.“

Das ICO ist eng mit dem französischen Hilfswerk „L’Œuvre d'Orient“ verbunden, von dem es wesentliche Fördermittel bezieht. Dieses Hilfswerk wurde schon 1856 ins Leben gerufen und engagiert sich damit bereits mehr als 160 Jahre lang in den Anliegen der verschiedenen, insbesondere aber der katholischen Ostkirchen. Derzeit werden Hilfsprojekte in 23 verschiedenen Ländern unterstützt – sowohl im Mittleren Osten als auch am Horn von Afrika, in Osteuropa und in Indien. In Kriegs- wie in Friedenszeiten unterstützt das Œuvre d'Orient dort mit großem Engagement und unermüdlichem Einsatz die Arbeit der Bischöfe, Priester und Gemeinden.

Die Stiftungsprofessur für Theologie des Christlichen Ostens und die Forschungsstelle Christlicher Orient der KU Eichstätt-Ingolstadt wünschen dem neuen Institut in Paris – trotz all der Einschränkungen des Lehrbetriebs zu Zeiten der Corona-Pandemie – einen guten Start und hoffen für die Zukunft auf eine gute Kooperation!

Autor: Thomas Kremer

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